Die Stadthalle war am Samstagabend bereits eine halbe Stunde vor Beginn brechend voll, sodass nachbestuhlt werden musste. Auch bei derzweiten Aufführung am Sonntag konnte sich Vorsitzender Jürgen Buchholz über ein volles Haus freuen. Ein Beweis, dass die Theaterkünste der KLJB nach wie vor hervorragende Resonanz finden – kein Wunder, befinden sich doch unter ihren Mitgliedern hervorragende Schauspieler. Das Laienspiel wird bei der Landjugend teils bereits in der dritten Generation gepflegt. Dank zollte Buchholz den Sponsoren, die es ermöglicht hatten, das dreiaktige Stück auf die Bühne zu bringen.

 

"Eine hüllenlose Scheineheprüfung", geschrieben von Wolfgang Bräutigam, wurde mit großem Engagement, mit Witz sowie treffenden Pointen – die auch oft lokalen Bezug besaßen – aufgeführt. Es gibt viele Missverständnisse und Verwechslungen in diesem geplanten Ehedrama, bis sich endlich alles zum Guten klärt. Eva und Martin wollen eigentlich heiraten, doch die Hochzeit wird verschoben – was der Ordensfrau Bernadette, Evas Schwester, gerade recht kommt. Sie quartiert den Asylbewerber Jacques Marakable aus Togo ein; um ihn vor der Abschiebung zu bewahren, überredet sie Eva zur Scheinehe mit ihm. Dreh- und Angelpunkt des Durcheinanders ist der Hausmeister, ehemaliger Hauptmann, der seinen Zivi mittels Pfeife dirigiert; dieser folgt willig, findet jedoch auch Gelegenheit, das korrupte Obrigkeitsdenken an den Pranger zu stellen.

Derweil wird der Vater der angehenden Braut für den Hausmeister gehalten. Er selbst geht gegenüber Hobbystripperin Babsi locker mit dem Geld um – in der Annahme, es handle sich um die Mitarbeiterin der Ausländerbehörde, die er bestechen könne, um für den Asylbewerber etwas Gutes zu tun, und die ihm besser gefällt als seine eigene Frau. Stripperin Babsi ihrerseits hat die gute Gabe, immer zum falschen Zeitpunkt aufzutreten – auch dank veränderter oder missverstandener Stichworte. Dass bei allem Chaos der Scheinehe die Freunde sich nicht den Junggesellenabschied nehmen lassen, verschärft den Konflikt. Der Hausmeister mit seinem "Wissensdrang" – "I hab scho meh’ gseid, als i weiß" – bringt bei den Recherchen der Ausländerbeauftragten nach und nach immer mehr durcheinander.

Die Landjugend bot ein Stück mit viel Humor, mit Leidenschaft gespielt und dabei in Kurzform immer wieder auf die Unzulänglichkeiten der heutigen Gesellschaft hinweisend. Kleine Andeutungen in Nebensätzen prangerten Korruption, Unterwürfigkeit und Verlogenheit an. Nicht zuletzt die Beamten bekamen mit Worten wie "Die sollt mer uff de Mond schieße!" – "Aber da gibt’s doch keine Arbeit!" – "Grad drum passt’s ja!" ihr Fett ab. Auch die Wolfacher und Gutacher mussten manche Spitze über sich ergehen lassen. Daneben sorgten Wortspiele für viele Lacher – etwa die Doppeldeutigkeit der Begriffe "ausziehen", "Flasche" oder "Schwein haben".

Immer wieder gab es Szenenapplaus für die Darsteller – und der große Beifall am Schluss der rund zweieinhalbstündigen Aufführung war der verdiente Lohn für Monate harter Probenarbeit.

u Die Personen und ihre Darsteller: Eva Knott, Hochzeiterin (Andrea Winterer); Martin Reiser, Hochzeiter (Stefan Armbruster); Bernadette, Ordensfrau (Anja Ramsteiner); Jacques Marakabie, Asylbewerber (Kevin Dietzig); Hubert Krause, Hausmeister (Erwin Klausmann); Isolde Knott, Mutter von Eva (Stefanie Matt); Edgar Knott, Vater von Eva (Erwin Armbruster); Franz Schneider, Freund von Martin (Jonas Vetterer); Corinna Mende, Freundin von Eva (Karin Kayßer); Susanne Putz alias Hobbystripperin Babsi (Melanie Harter); Rosalinde Schuster, Mitarbeiterin der Ausländerbehörde (Anna Schmieder); Tobias Müller, Zivildienstleistender (Philipp Eble).

u Kulisse: Regie: Josef Vetterer; Souffleusen: Jasmin Klausmann und Helena Dieterle; Maske: Katharina Maier und Kerstin Wieland; Frisuren: Martina Spangolo; Technik: Thomas Schmider.

u Autor: Wolfgang Bräutigam.

(Quelle: Schwarzwälder Bote)